Ferienstimmung das ganze Jahr hindurch
Fotografie | Stefan und Sandra Grünig-Karp aus Krattigen zeigen mit ihren Fotografien die Schönheit der Natur. Es sind Bilder aus Destinationen in der Schweiz und dem Ausland. Aber auch ausserhalb der Fotografie betätigen sich die beiden kreativ.

Stefan und Sandra Grünig-Karp sind leidenschaftliche Naturfotografen. Sie scheuen keine Mühe, um an das beste Bild zu kommen. Das bedeutet vor Sonnenaufgang aufstehen oder in klirrender Kälte stundenlang warten, bis das Motiv im besten Licht ist. Sie mögen vor allem die Stimmung der Morgenstunden. Das heisst, die Zeit kurz vor oder nach dem Sonnenaufgang. Unter Fotografen und Fotografinnen auch bekannt als die Goldene Stunde. Im Gegensatz zur Blauen Stunde am Abend, womit die Zeit um den Sonnenuntergang herum gemeint ist. Beide Zeiten sind ideal für Landschaftsfotografien. Das Licht ist weich und die Landschaft erscheint, wie es die Namen schon sagen, in rötlichem oder bläulichem Licht. Weniger geeignet für Landschaftsfotografien sind die Mittagsstunden. Das Licht kommt dann hart und gerade von oben, wodurch sich so genannte Schlagschatten ergeben. Auch die Jahreszeit spielt eine grosse Rolle. Im Frühling leuchtet das Grün, der Sommer ist reich an unterschiedlichen Farben, im Herbst dominieren Erdtöne, der Winter ist blau und weiss. «Landschaftsfotografen sind wie Wanderer, nämlich Sammler», schreibt Rémy Kappeler, Redaktionsleiter des Magazins «Das Wandern» in der Einleitung des Bildbandes, den Stefan und Sandra Grünig-Karp kürzlich im Eigenverlag und in Eigenregie veröffentlicht haben. Die beiden würden ihre Leidenschaft leben, «hartnäckig, aber ohne Verbissenheit».
Schulung des Auges
Ihr Buch ist in Kapitel mit den unterschiedlichen Jahreszeiten gegliedert und enthält ausschliesslich Fotos aus der Schweiz. «Kaum ein Land bietet auf kleinem Raum dermassen viele verschiedene Naturschönheiten wie die Schweiz», schreiben Sandra und Stefan Grünig-Karp darin. Das Fotografieren draussen in der Natur ist für die beiden eine Leidenschaft, durch die sie Kraft tanken können. Bildaufbau und Schnitt der Fotos wirken immer sehr durchdacht. Durch das Weitwinklige kommt die gesamte Fülle einer Landschaft zur Geltung, von einem nahen Vordergrund bis zur fernen Horizont-Linie. Die Bilder haben eine hohe Tiefenschärfe, sodass möglichst alle Bereiche des Bildes scharf sind. Sandra Grünig-Karp interessiert sich zudem auch für Wildblumen und fotografiert diese mit einem Makroobjektiv. Dadurch kann man ganz nahe an das Objekt herangehen, hat danach im Bild aber nur wenig Schärfenbereiche, Vorder- und Hintergrund heben sich deutlich voneinander ab.
Das Fotografieren wurde den beiden quasi in die Wiege gelegt, wie sie erzählen. Schon früh erhielten sie als Kinder ihren ersten Fotoapparat, beide kommen aus fotobegeisterten und naturverbundenen Familien. Eigentlich kamen sie durch die Liebe zur Natur zur Fotografie. Als sie ihre ersten fotografischen Schritte unternahmen, hat man natürlich noch analog fotografiert. «Mein Vater gab mir immer Filme, mit denen 12 Aufnahmen möglich waren», schmunzelt Stefan Grünig-Karp. So musste er sich beschränken, genau überlegen, wann sich eine Aufnahme lohnt und wann nicht. Das Entwickeln der Filme und die Abzüge der Bilder auf Fotopapier waren damals noch relativ teuer. Es war eine ganz andere Herangehensweise, man musste genau hinsehen und wissen, was man mit einem Bild ausdrücken will. Das Resultat offenbarte sich erst, wenn der Film entwickelt wurde und die Abzüge auf dem Tisch lagen. Drauflos schiessen nach dem System «trial and error», weil man das Resultat sofort am Display sieht, war damals noch gar nicht denkbar. Dies erforderte natürlich auch mehr technische Kenntnisse der Fotografierenden.
Heute sind Stefan und Sandra Grünig-Karp längst in der digitalen Welt angekommen. Die Bilder werden mit Spiegelreflexkameras digital erstellt und danach in Photoshop «entwickelt». Will heissen: Sie greifen nicht allzu stark in die Bilddateien ein, verändern nichts Wesentliches, sondern heben heraus, was sich bereits auf dem Bild oder in einer Lichtstimmung befindet. So verstärken sie zuweilen die Farben, arbeiten mit den Lichtern und Tiefen für den richtigen Kontrast, um das Beste aus einer Landschaft herauszuholen. Beim Fotografieren verwenden sie Polarisationsfilter. Auch dies verstärkt die natürlichen Farben.
Fotografie verbindet
Die beiden leben mit ihrer viereinhalbjährigen Tochter in Krattigen. Die Umgebung passt. Man hat einen weitreichenden Ausblick über den Thunersee und die dahinter liegende Bergkette mit ihren Schneekronen. Ein Nebelschleier schleicht an diesem kalten Dezembernachmittag um die Bergspitzen. In der Stube ist es nicht zuletzt durch den Einsatz von viel Holz warm und gemütlich. Stefan und Sandra berichten von ihren vielen Exkursionen. Die Liebe zur Natur und zur Fotografie verbindet die beiden. So ist es auch nicht erstaunlich, dass sie sich über eine Fotografie-Plattform kennengelernt haben. Sie merkten, dass sie in der gleichen Gegend wohnen, schrieben sich, trafen sich für gemeinsame Fotostreifzüge und plötzlich machte es im wahrsten Sinne des Wortes «Klick». Bei ihren Fotoausflügen bleiben sie aber nicht nur in der Schweiz. Die Liste der bereisten Länder ist beachtlich: USA, Indien, Myanmar, Taiwan, Italien, Frankreich, Griechenland und Norwegen. Seit sie Eltern sind, geht es etwas weniger weit als auch schon, doch Töchterchen Carmen war mit drei Monaten schon das erste Mal mit auf Tour am Oeschinensee. Besonders gerne übernachtet Carmen im Zelt. Ihre Augen leuchten, als die Eltern davon erzählen.
Stefan Grünig-Karp arbeitet zu 80 Prozent in der Verwaltung der Kirchgemeinde Spiez. Nebst administrativen Aufgaben unterhält er die Website und macht die Gemeindeseiten für die Zeitung «reformiert.». Auch kann er für die Kirchgemeinde hin und wieder fotografieren. Sandra Grünig-Karp ist freischaffend und hat verschiedene Mandate in der Immobilienbewirtschaftung. Dies macht etwa 40 Prozent aus. Nebst dem Fotografieren betätigt sich Sandra Grünig-Karp in der Freizeit noch als Schneiderin. Sie kreiert gerne Kleidung für sich und die Familie. Wie zum Beispiel das Mäntelchen, das Tochter Carmen für den heutigen Fototermin trägt.
Sonniges Radio
Auch Stefan Grünig-Karp hat noch eine weitere Leidenschaft: Das Radiomachen. Er arbeitete vor langer Zeit kurz als freier Mitarbeiter für «Radio Berner Oberland» und betreibt seit 5 Jahren im Internet «Sunradio». Den Umgang mit dem professionellen Sendeprogramm eignete er sich selbst an. Und so ist er bei einem Programm angelangt, das rund um die Uhr läuft. Ohne Moderation, versteht sich. Das Sendeprogramm läuft auf dem Computer im Nebenzimmer vorprogrammiert still vor sich hin. Auch hier manifestiert sich ein gewisses Fernweh. Der musikalische Schwerpunkt liegt gemäss eigenen Angaben zu 60 Prozent bei internationaler, fremdsprachiger, melodiöser Pop-, Softrock-, Schlager- und Dancemusik sowie bei Evergreens aus den Bereichen Chansons und Canzoni. Zu 30 Prozent werden bekannte Pop- und Softrockevergreens gesendet, und zehn Prozent der Musik stammt aus der Schweiz. Gänzlich verzichtet wird auf Musik aus den aktuellen Charts. Stefan Grünig-Karp wählt gerne Musik, die sonst etwas im Verborgenen liegt. Er will damit auch einen Kontrapunkt zum heutigen Mainstream-Radio setzen. Er hat eine beeindruckende Datenbank mit über 30 000 Tracks in über 30 Sprachen zusammengestellt. Mit «Easy Listening» will er mit seinem Programm das ganze Jahr über etwas Ferienstimmung verbreiten.
Überlegt gewählte Ausschnitte mit grosser Tiefenschärfe. Foto: Stefan und Sandra Grünig-Karp
Eigentlich ähnlich wie mit den Fotos, die durch die Schönheit der gezeigten Natur eine grosse Ruhe ausstrahlen. Durch das Leichtfüssige vergisst man fast ein wenig, wie viel Mühe und Aufwand dahintersteckt. Die Landschaftsbilder sind auf zwei Websites einsehbar, sie können als Datei oder Print bestellt werden. Doch das Kommerzielle steht nicht im Vordergrund. Das macht eine Leidenschaft auch aus: Man investiert viel und erhält in jedem Fall etwas zurück. Nicht in Form von Geld, sondern eher als Ferienstimmung das ganze Jahr über.
www.natur-welten.ch
www.alpinfoto.ch
www.sunradio.ch
«Naturjuwelen der Schweiz»
Das Buch «Naturjuwelen der Schweiz» von Stefan und Sandra Grünig-Karp beinhaltet im Grossformat von 290 × 240 Millimeter über 290 Farb-fotos und 16 Erlebnisberichte. Es ist direkt bei den Autoren über die ange-gebenen Websites erhältlich oder in ausgewählten Buchhandlungen wie «Kreb-ser» in Thun, «Bücherperron» in Spiez oder der Buchhandlung Bödeli in Interlaken. Es ist als Hardcover gebunden und kostet 58 Franken (zuzüglich Porto). Der Preis im Buchhandel beträgt 64 Franken.