Skip to main content

-


Anzeige


Kristalline Ästhetik

Spiez | Im Kirchgemeindehaus Spiez sind bald verschiedene Kristalle zu bewundern. Dies an der Jubiläumsausstellung der «Mineralienfreunde Berner Oberland». Jeder Kristall ist ein Unikat.

| Adrian Hauser | Gesellschaft
Kristalline Ästhetik
Christian Wampfler (links) und Wilfred Bähler. Foto: Adrian Hauser

Die «Mineralienfreunde Berner Oberland» feiern am 3. März mit der 30. Ausgabe der Kristallbörse im Kirchgemeindehaus Spiez ein Jubiläum. Über 20 Ausstellende bieten dabei ihre Kristalle und Mineralien, die ausschliesslich aus der Schweiz stammen, zum Verkauf an. Zudem steht eine Sonderschau mit speziellen Mineral- und Kristallstufen sowie eine Filmvorführung über das Sammeln von Kristallen und Mineralien durch Vereinsmitglieder auf dem Programm. Als Stufe wird eine Ansammlung von Mineralien mit freistehenden Kristallen bezeichnet. Es sieht ein wenig aus wie ein flacher Stein, aus dem die Kristalle «wachsen». Das Grundmaterial der Bergkristalle ist Quarz. Die Kristalle entstehen in geologischen Gesteinsfalten unter hohem Druck und bei Temperaturen von 300 bis 600 Grad. Was heute durch natürliche geologische Bewegungen oder leider auch durch die Gletscherschmelze zum Vorschein kommt, entstand vor 18 bis 12 Millionen Jahren. Mit der Bergung durch die Strahler werden Kristalle vor dem Zerfall gerettet. Denn durch die Witterung würden die Kristalle mit der Zeit zu Sand zerfallen. Man findet die Kristalle vorwiegend in Granit oder Gneiss – ganz selten auch in Sandstein.

«Stabsübergabe»

«Um die Kristalle zu finden, muss man den Fels lesen können», erklären Christian Wampfler und Wilfred Bähler. Beide sind Mitglieder des Vereins «Mineralienfreunde Berner Oberland, Christian Wampfler ist der abtretende Präsident. Der Verein zählt rund 55 Mitglieder. Es sei ein lockerer, kameradschaftlicher Zusammenschluss von Gleichgesinnten. Statuten oder einen ordentlichen Vorstand hat der Verein nicht. Etwa ein Mal im Monat findet ein Treffen statt, man geht zusammen auf Kristallsuche oder unternimmt sonst etwas zusammen. Die Haupttätigkeit des Vereins, der 1992 von acht Männern mit einem Startgeld von je 20 Franken gegründet wurde, ist aber die jährliche Ausstellung. «Die Zahl der Besuchenden war von Anfang an gross, und die Ausstellung wurde von Jahr zu Jahr bekannter, weil wir nur Schweizer Mineralien anbieten», erklärt Christian Wampfler. Zu seinem Rücktritt meint er: «Der Alte Besen hat gewischt, so gut er es konnte.» Seine Geschäfte als Präsident hat Christian Wampfler ohne Hilfe eines Computers mit einer «ausgemusterten Militärschreibmaschine» erledigt. Nun sei es aber Zeit, die Geschicke des Vereins an eine jüngere Generation abzugeben. Neu werden den Verein Mario Reichen und Hans-Ulrich Mägert als Co-Präsidenten führen. Stefan Mäder ist verantwortlich für die Sonderschau.

Handarbeit

In der Schweiz gibt es etwa 700 verschiedenen Kristallarten, weltweit sogar um die 7000. Die Kristalle unterschieden sich in Form, Grösse und Farbe. Es ist denn auch die besondere Ästhetik, die Christian Wampfler und Wilfred Bähler an den Kristallen begeistert, «die Formen, die Klarheit und die Vielfalt». Jeder Fund – ob gross oder klein – begeistert und sei ein wenig «wie eine Geburt». Christian Wampfler und Wilfred Bähler lösen die Kristalle in mühevoller Handarbeit vom Gestein. Sie nehmen keine Sprengungen vor, denn diese verursachen Risse im Gestein. Nur einmal sei an einer schwer zugänglichen Stelle eine Bohrmaschine verwendet worden, wie die beiden schon fast reumütig gestehen. Sie gehen der Natur gegenüber also so wenig invasiv wie möglich vor. Denn es ist auch die Liebe zur Natur, welche die beiden zu ihrem Hobby brachte. Das Erlebnis draussen in der Berglandschaft ist ihnen ebenso wichtig, wie schöne Kristalle zu finden. Deshalb zeigen sie gegenüber Flora und Fauna auch grossen Respekt, wollen diese erhalten und nicht zerstören.

Oberländer Kristallbörse, Sonntag, 3. März, 10 bis 17 Uhr, Kirchgemeindehaus Spiez, Kirchgasse 9. Eintritt ab 16 Jahren: 6 Franken.

«Strahlen» in der Schweiz

In der Schweiz gibt es gemäss Wilfred Bähler etwa 4000 bis 5000 Strahlerinnen und Strahler, darunter etwa 15, die das «Strahlen» berufsmässig betreiben. Ein Teil davon ist in der Schweizerischen Vereinigung der Strahler, Mineralien- und Fossiliensammler (SVSMF) zusammengeschlossen. Diese Vereinigung hat etwa 2500 Mitglieder und verschiedene Sektionen in der ganzen Schweiz. Die «Mineralienfreunde Berner Oberland» zählen 55 Mitglieder und sind keine Sektion, wohl aber Einzelmitglieder der SVSMF. Die Berner Sektion befindet sich in der Stadt Bern unter dem Namen «Mineralien- und Fossilienfreunde Bern».

Adrian Hauser


Ihre Meinung interessiert uns!


Verwandte Artikel


Das bange Warten

Asylsuchende | Für in die Schweiz geflüchtete Menschen mit rechtskräftig abgewiesenem Asylgesuch ist eine Rückkehr in ihr Heimatland aus politischen oder technisch-organisatorischen Gründen oft unmöglich – dennoch werden sie ausgeschafft.

Zum Wohl der Tiere

Thema | Mit 81 Jahren wurden Susanne und Marc Bonanomi vegan. Seit elf Jahren setzt sich das Ehepaar leidenschaftlich für den Veganismus ein. Der Arzt respektiert ihre Ernährungsweise, die beiden sind topfit und auf keine Medikamente angewiesen.

Erziehungsfragen im Kino

Region | In Zusammenarbeit mit Partnern lädt die Mütter- und Väterberatung Kanton Bern zu einer kostenlosen Filmreihe zum Thema Erziehung ein.

Fachkräftemangel und psychische Probleme

Gesundheit • Verschiedene Faktoren sorgen dafür, dass Tierärzte viele zusätzliche Herausforderungen zu bewältigen haben. Die Gesellschaft für Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte und die veterinärmedizinische Fakultät der Universität Bern ergreifen deshalb verschiedene Massnahmen.
| Thomas Abplanalp | Gesellschaft

Anzeige