Altes mit Neuem zukunftsfähig machen
Thun | Die Veranstaltungsreihe Energie-Forum Thun hat begonnen. Am ersten Anlass stand die energetische Sanierung von Gebäuden im Denkmalschutz im Zentrum.

«Die Welt ist immer komplexer. Wir wollen zeigen, dass man mit wenig bereits viel erreichen kann», sagte Gemeinderätin Andrea de Meuron in ihrer Begrüssung im KKThun. Thun hat 2023 die Klimastrategie verabschiedet. Das Ziel: eine klimaneutrale Stadt Thun bis 2050. «Die im letzten Jahr verabschiedete Klimastrategie beinhaltet auch Massnahmen», erklärte de Meuron weiter. Eine davon sei es, die «Bevölkerung zu informieren und zu sensibilisieren». Der Weg zu einer klimaneutralen Stadt müsse gemeinsam gegangen werden, denn «nur zusammen erreichen wir das Ziel», ergänzte de Meuron auf der Bühne. Passend zu ihren Worten umrahmten zwei Plakate der Thuner Klimakampagne das Podium. Der darauf zu lesende Slogan «Klimaschutz ist Teamsport» unterstrich de Meurons Worte zum Auftakt.
Stadtbild als Herausforderung
Nach de Meurons Begrüssung betraten nacheinander neun Referierende die Bühne und erklärten aus ihrer Perspektive, wie die energetische Sanierung von Gebäuden in der Altstadt trotz Denkmalschutzes gelingen könnte.
Tatiana Lori, Leiterin des kantonalen Denkmalschutzes, betonte, dass auch Gebäude im Denkmalschutz energetisch zu ertüchtigen seien. Da jahrhundertealte Häuser nicht für eine Verbesserung der Energiebilanz gebaut wurden, entstehe bei der Sanierung ebendieser eine grosse Herausforderung. Bei denkmalgeschützten Gebäuden komme hinzu, dass deren Erscheinungsbild möglichst beibehalten werden müsse. Deshalb betont Lori: «Eine sorgfältige Analyse und Planung lohnen sich.»
Konkrete Möglichkeiten einer energetischen Sanierung bei denkmalgeschützten Gebäuden sieht sie vor allem in einer guten Dämmung. Auch Fenster liessen sich verbessern, ohne deren Erscheinung auffällig zu verändern. Und wo es die Dächer zulassen, sei je nach Fall auch eine Photovoltaikanlage realisierbar.
Biogas und Sonnenlicht
Die engen Platzverhältnisse der Thuner Altstadt erschweren energetische Sanierungen, darin waren sich die Referierenden einig. Michael Gruber, CEO der Energie Thun AG, zeigte anhand einer Karte, dass sich innerhalb dieser engen Platzverhältnisse bereits viele Werkleitungen befinden, das erschwere Änderungen zusätzlich. Die beste Lösung sehen er und viele andere Referierende im Biogas. Das brennbare Gas, das durch die Vergärung von Biomasse jeglicher Art entsteht, kann durch eine Wärme-Kraft-Kopplung sowohl Strom als auch Wärme produzieren.
Wie bei einer energetisch besseren Dämmung hat die Verwendung von Biogas als Wärme- und Stromlieferant keinen Einfluss auf das Erscheinungsbild der Gebäude. Vor allem ist das Gasnetz in der Thuner Altstadt bereits vorhanden.
Patrick Hofer-Noser, CEO von 3S Swiss Solar Solutions, zeigte anhand konkreter Beispiele zudem, wie sich Photovoltaikanlagen und Denkmalschutz durchaus vereinbaren lassen. Ein aktuell prominentes Beispiel ist das 200-jährige Bauernhaus an der Bernstrasse 6 in Münsingen. Dessen komplettes Dach bestehe seit seiner Sanierung aus Photovoltaikmodulen. Gleichwohl verfüge das Gebäude weiterhin über einen Kamin, obschon es diesen gar nicht mehr bräuchte. Aber im Sinne des Denkmalschutzes musste der Kamin, ob funktionstüchtig oder nicht, erhalten bleiben.
Vor allem habe sich die Photovoltaiktechnologie in den letzten Jahren weiter verbessert, auch deren Aussehen. Abgesehen von reflektierenden und blendfreien Modulen könnten Kunden mittlerweile auch aus einer Vielfalt von Farben auswählen. Deshalb sieht Hofer-Noser durchaus auch Potenzial von Photovoltaikanlagen auf Dächern oder Fassaden in der Thuner Altstadt. Damit einhergehend betont er: «Man muss am richtigen Ort das Richtige machen.»
Basel geht voraus
Zu den Referierenden gehörte auch Matthias Nabholz, Leiter Amt für Umwelt und Energie Basel-Stadt. Der Regierungsrat Basel-Stadt verabschiedete im vergangenen Jahr die kantonale Klimaschutzstrategie. Diese sieht vor, dass Basel-Stadt bis 2037 klimaneutral sein soll. Damit einhergehend beschloss der Grosse Rat ebenfalls im vergangenen Jahr, das Gasnetz in der Stadt Basel 2037 abzustellen. Der Kanton will bei der Heizung von Gebäuden vor allem auf Fernwärme setzen.
Dass Basel-Stadt in Sachen Klimaneutralität so grosse Schritte machen kann, hänge gemäss Nabholz mit der Struktur des Kantons zusammen: «Der Kanton besteht aus nur drei Gemeinden und einer Verwaltung.» Weil die Stadt- und Kantonsverwaltung eins seien, entstehe ein geringerer bürokratischer Aufwand. In Thun sei das natürlich nicht möglich, weil die Stadt je nach Projekt mit dem Denkmalschutz und dem Kanton zusammenarbeiten muss.
Darin sahen die Referierenden aber auch einen Vorteil. Sie betonten die Wichtigkeit, bei Bauvorhaben von Anfang an mit der Energiefachstelle und dem Denkmalschutz zu kommunizieren. Auch hier herrschte Konsens: Es sei wichtig, dass Bevölkerung, Politik, Verwaltung und Wirtschaft den Weg zu einer klimaneutralen Stadt Thun gemeinsam gehen.
Ausblick
Bereits in einem halben Jahr, konkret am 22. Oktober, findet das zweite Energie-Forum Thun statt. Der Schwerpunkt liegt dann auf der Elektromobilität und Ladeinfrastruktur. Im Frühjahr 2025 folgt der dritte Anlass.
Zwei Dinge sind bei der ersten Ausgabe aufgefallen: Nur eine der referierenden Personen erwähnte, dass unabhängig von effizienteren und klimafreundlicheren Technologien Suffizienz immer noch der wichtigste Hebel für eine klimafreundliche Stadt sei. Das heisst, selbst wenn Energie klimafreundlicher gewonnen werden kann, bleibt das Credo, ressourcenschonender zu leben, für die Bevölkerung und Wirtschaft bestehen.
Und: Atomkraft wurde nicht ein einziges Mal erwähnt. Dass diese Form der Energiegewinnung für eine nachhaltige Energiepolitik keine Rolle spielen muss, darüber scheint ein stillschweigender Konsens zu bestehen.