Wo die Uhren langsamer ticken
Homberg | Nur wenige Autominuten nordöstlich von Thun befindet sich die Gemeinde Homberg in der von Gräben durchzogenen Landschaft südlich der Zulg. Gemeindepräsident Hans Rudolf Bühler gibt Einblick in die Sonnen- und Schattenseiten der kleinen, ländlichen Gemeinde.

Im Homberg ist die Welt noch in Ordnung. Als «ein bisschen heile Welt» bezeichnet Hans Rudolf Bühler seine Gemeinde. Gleichzeitig betont der Gemeindepräsident: «Wir sind nicht rückständig. Doch verglichen mit den Nachbargemeinden Steffisburg und Thun geht es bei uns gemütlicher vorwärts.» Landwirtschaftliche Betriebe prägen die von Hügeln und Gräben dominierte Landschaft südlich der Zulg. Weiler, Streusiedlungen und Einzelgehöfte prägen die Gemeinde. Einige davon sind noch nicht an das Wassernetz angeschlossen – die Bewohner von Unter Homberg beziehen ihr Wasser von privaten Quellen und reinigen ihr Abwasser in Kleinkläranlagen. Doch eine Veränderung zeichnet sich langsam, aber sicher ab: «Im Sommer versiegt das Wasser der Quellen teilweise. Zudem gibt es heute viel mehr Tiere als früher, die mit Wasser versorgt werden.» Auch wenn dies vor einigen Jahren noch kein Thema war, früher oder später werde auch der Unter Homberg angeschlossen, ist sich Bühler sicher.
«Jemand muss es machen»
Autonomie spielt für die Homberger eine grosse Rolle. Daher ist eine Fusion mit Steffisburg oder Thun kein Thema. «Wir wollen selbst entscheiden, was in unserer Gemeinde passiert», betont Bühler. Dies ist mit einer der Gründe, warum sich der 51-jährige Elektriker vor acht Jahren in den Gemeinderat und vor zwei Jahren ins Präsidium wählen liess. «Ich hatte keine Ambitionen für das Amt. Doch für mich war klar: Jemand muss es machen, wenn wir selbstständig bleiben wollen.» Zurzeit funktioniere das Milizsystem in der 500 Einwohner zählenden Gemeinde. Doch es werde nicht einfacher – viele seien privat eingespannt oder engagierten sich in der Feuerwehr oder in den Vereinen. Zuzüger sind gemäss Bühler im Moment keine in Sicht. Zwar sei eine Parzelle eingezont worden. Wann der Bau des Mehrfamilienhauses und der Einfamilienhäuser starten werde, stehe allerdings noch nicht fest. «Mir wäre es am liebsten, wenn sie morgen anfangen würden», so der Gemeindepräsident. Denn: Die Schülerzahlen sinken. Der Standort Homberg sei zwar nicht gefährdet, doch es könne sein, dass sich der Kanton ab 2026 nicht mehr an den Transportkosten für die Schulkinder beteilige. Das sei für die Gemeinde verkraftbar. Bedauerlich findet Bühler hingegen, dass die Bäckerei im Dorf aufgrund der Pensionierung des Inhabers wohl mittelfristig verschwinden werde. Ansonsten sei es in Homberg ruhig. Alle zwei Jahre würden turnusmässig Strassensanierungen durchgeführt. Aktuell muss das Feuerwehrmagazin umgebaut werden, damit das neue, grössere Fahrzeug hineinpasst. Grössere Projekte stehen keine an.
Sonne und Skilift
Nach den Vorzügen von Homberg gefragt, kommt Bühler ins Schwärmen. Er nennt die sonnige Lage des Dorfes, wo «die Sonne im Sommer um 21.45 Uhr am Chasseral untergeht». Im Winter locke der Skilift zwischen Dreiligasse und Winteregg. Im letzten Winter war dieser nur sieben Tage geöffnet, heuer sieht es besser aus: Dank des Schnees bis in tiefe Lagen läuft der Skilift seit dem 3. Dezember. Neben genügend Schnee für ein paar Schwünge am heimischen Lift wünscht sich Bühler für seine Gemeinde, dass sich weiterhin genügend Leute finden, die sich engagieren. Zudem hofft er auf «wenig Gstürm». Er spiele nicht gerne Polizist und möge es harmonisch, wie er sagt. Schön wäre es auch, den Homberg-Stern jedes Jahr zu verleihen. Mit der Auszeichnung verdankt die Gemeinde ein besonderes Engagement oder eine herausragende Leistung. An der Gemeindeversammlung im November ging je ein Stern an Skicrosser Renzo Ryter, der 2023 die Junioren-Europameisterschaft gewann, sowie an Barbara Dähler, die unter anderem das Kinderturnen in der Gemeinde initiiert hat. Die Gemeinde freut sich stets über Infos, wer die Auszeichnung verdient hat – egal, ob im sportlichen, kulturellen oder sozialen Bereich.
Homberg in Kürze
Bäckerei: 1
Käserei: 1
Restaurant: 1 (Restaurant Kreuz)
Einwohner: 501
Steuerfuss: 1.8
Höchster Punkt: 1217 m (Roteberg)
Besonderes: Der ehemalige Skicross-Weltcup-Athlet Peter Stähli wohnt in Homberg.
Heidi Schwaiger