Dank dem Gesundheitspersonal
Kolumne • Man merkt bekanntlich erst, wie wertvoll etwas ist, wenn es fehlt. So beispielsweise die Gesundheit. Es trifft wohl jeden Menschen mal, dass er auf Hilfe angewiesen ist, um seine Gesundheit wiederherzustellen oder aufrechtzuerhalten. So ist es kürzlich mir selbst passiert: Eine Konsultation beim Hausarzt endete in einer Fahrt mit der Ambulanz direkt in die Intensivstation. Diagnose: Atypische, schwere Lungenentzündung. Ich rang nach Luft, jeder Atemzug wurde zu einem Überlebenskampf. Ich staunte dann doch, wie anpassungsfähig der Mensch ist. Man landet in einer fremden Welt, mitten unter fremden Menschen, umgeben von futuristisch anmutenden Geräten, die merkwürdige Laute von sich geben. Und was klingt wie die Szene in einem Science-Fiction-Film, wird plötzlich zu einer vertrauten Realität, in der man sich sogar noch gut aufgehoben und umsorgt fühlt. Dies ist nur möglich dank der vielen Menschen, die tagtäglich in diesem Setting arbeiten: Ärzte mit ihrer fachlichen Expertise, Pflegende mit ihrer umsichtigen Aufmerksamkeit, verschiedene Fachleute mit ihrem profunden Wissen und nicht zuletzt das Hauswirtschaftspersonal als Überbringer der täglichen Mahlzeit. Besonders die Pfl egenden haben mich immer wieder beeindruckt. Nicht einmal so sehr durch ihre ausgewiesene Professionalität und ihren grossen Arbeitseinsatz, sondern auch durch ihre Menschlichkeit, die das Dasein in einer solchen Umgebung mit ihren eigenen Lebensgeschichten überhaupt erst ertragbar machten. Da war die politisch engagierte Mutter, die mit Sack und Pack aus ihrer Heimat im benachbarten Ausland vor der aufgeheizten Coronadiskussion flüchtete und mit mir ihre gesellschaftskritischen Ansichten teilte. Oder die Pflegende mit der Zwangsneurose, die mir die Teebeutelchen jeweils nach Farben ordnete und meine eigenen Ängste bestens verstand. Oder jene mit dem sympathischen niederländischen Akzent, die mich an die früheren Campingferien mit meinen Kindern erinnerte. Oder jene, die sich bemühte, mir trotz absoluter Immobilität mit einem Trockenshampoo ein Stück Würde und Alltagsgefühle zurückzuverleihen. Oder die quirlige Junge, die mit ihrer kumpelhaften Art das Leben etwas leichter, schwereloser und humorvoller machte. Gerne hätte ich die Gespräche mit euch allen weitergeführt. Ja, ich habe euch ins Herz geschlossen! Denn euch gebührt grosser Dank! Dank für eure Menschlichkeit. Dank für eure Geschichten, euer Dasein, eure Transparenz, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit. Dank für euer «Normal-Sein» in einer abnormalen Situation. Es ist die Geisteshaltung, die euch ausmacht, abgesehen von den vielen Arbeitsstunden, dem mühseligen Schichtbetrieb oder den anspruchsvollen medizinischen Situationen. Wo Menschen aufeinandertreff en, «menschelt» es. Doch man muss dies auch zulassen können!